Frohe Ostern mit „Russische Ostern“!

Frohe Ostern, liebe Leser, rufe ich Ihnen zu

mit dieser1970 entstandenen Lithographie

von  Sonia Delaunay .

Sie trägt den Titel  „Russische Ostern“.

Im folgenden Text will ich Ihnen erklären, wie fein sich dieses Werk in unser Chartbild vom Dax einwebt. Deshalb habe ich diesen Gruß ausgewählt.

Früher oder später feiern wir Auferstehung!

Sonia Delaunay, geb.Terk, erblickte 1885   in der Ukraine, als Tochter einer Grundbesitzerfamilie, das Licht der Welt. Sie wuchs in Russland, in Petersburg, bei ihrem Onkel auf, der ihr dort Schulbesuch und eine weitreichende Bildung ermöglichte.

Ab 1903 studierte sie in Deutschland, an der  Akademie der Schönen Künste, Karlsruhe, und entfloh 1905 der akademisch konservativen Künstlerausbildung nach Paris an die Académie de la Palette.

Die Künstler in Paris um die Zeitwende waren erfüllt von einem Fieber. Man wollte die Welt neu erschaffen und suchte nach Zusammenhängen,  nach Farben, nach Formen und wollte sich sich vom Gegenstand immer weiter entfernen.

Impressionismus, Expressionismus, Kubismus, Dadaismus und weitere …ismen, zu denen auch der Orphismus gehört, eine Kunstrichtung, die Sonia Delaunay und ihr Mann ins Leben riefen, wirbelten das klassische Kunstverständnis durcheinander.

Sonia heiratete 1908 in Paris zunächst ihren Galeristen Wilhelm Uhde, der, aus Deutschland kommend, in Paris eine Galerie eröffnet hatte und damals noch unbekannte Künstler wie Picasso und Braque kaufte.

Sie lernte 1909 den Maler Robert Delaunay kennen und schloss, nach einer kurzen ersten Ehe, 1910 mit ihm einen Lebensbund. Die beiden galten fortan als das vollkommene Künstlerpaar und beeinflussten gemeinsam die moderne Kunst maßgeblich. Robert starb im Jahre 1941. Sonia wurde 94 Jahre alt und starbt 1979 in Paris.

In der Zeit zwischen den Weltkriegen hatte Sonia mit ihrer Arbeit für sich und ihre Familie Geld verdienen können. Sie übte einen großen Einfluss auf Designer aus und betrieb auch lange Zeit ein eigenes Unternehmen, in dem sie, neben Entwürfen für Stoffe, exzentrische Mode und Accessoires für Reiche entwickelte und produzierte. Mit der Weltwirtschaftskrise 1931 riss dieser große  Erfolg ab.

Ihr Einfluss ist bis heute geblieben, wie die jüngste Kollektion von Fausto Puglisi Autumn/Winter 2014-2015 zeigt.

Ihr Spätwerk ab 1950  gilt als einer der Höhepunkte abstrakter Malerei. In diese Zeit fällt auch die oben abgebildete Lithographie.

Sonia Delaunay und Ihr Mann suchten in ihrer Kunst Antwort auf zwei Fragen:

– Läßt sich die Wirkung und Intensität von Farben steigern?

– Kann man die Rhythmik und Bewegung, die der gesamten Natur innewohnt, in einer zweidimensionalen          Darstellung erfassen?

Robert Delaunay hatte die wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 1836 des Chemophysikers Eugène Chevreul entdeckt. In dieser Untersuchung stellte Chevreul fest, dass eine Farbe durch ihre farbliche Umgebung verändert wird. Er entdeckte den Simultankontrast. Ausgehend von den Grundfarben rot, blau, gelb, fand er heraus, dass das Auge unter bestimmten Bedingungen bei der Farbempfindung eine fehlende Grundfarbe hinzuaddiert. Auf diese Weise steigern bestimmte Farbkombinationen ihre Intensität oder nehmen sie wieder.

Angeregt durch diese Erkenntnis fand Robert Delaunay heraus, dass allein Farbe und Form Rhythmus erschaffen und die Illusion von Bewegung in einem Raum erzeugen können. Seine so genannten ‚Scheibenbilder‘ inspirierten viel Künstler z.B. die des Blauen Reiters, aber auch seine Frau Sonia.

 

 

Zeitweise haben Sonias und Roberts Bilder große Ähnlichkeit, aber anders als ihr Mann, war Sonia nicht so dogmatisch. Robert Delaunay lehnte den Begriff ‚Orphismus‘ für seine Bilder ab. Er wollte sie mehr als kubistische Werke betrachtet wissen. Bei Sonia dürfen die Formen auch Ovale sein oder regelrecht ein Ei.

 

Verfolgt man diese Beobachtung weiter, gelang man zur griechischen Mythologie und in die griechische Welt vorchristlichen Denkens, zum Orphismus.

In der Weltentstehungsgeschichte der Orphiker, so wie sie aus dem 5.Jahrhundert v.Chr. überliefert wurde, erschafft Chronos (die Zeit) ein silbern glänzendes Weltei. Dies ist der Ursprung, aus dem sich nach und nach verschiedene Göttergenerationen und Taten entwickeln, die in einer 6.Phase münden, in der Zeus das Menschengeschlecht erschafft.

Entgegen der homerisch geprägten Sicht, dass die Seele nach dem Tode in der Unterwelt ein unerfreuliches, beklagenswertes Dasein fristet, nehmen die Orphisten an, dass es für die Seele, nach mehreren Kreisläufen, einen Weg zur Erlösung gibt. Dafür steht ihr Begründer, Orpheus, der als Lebender die Totenwelt betreten hatte, aus ihr zurückgekehrt war und über Wissen verfügt, das die Erlösung der Seele ermöglicht. So entstand in der aussichtslosen Welt der alten Griechen eine neue, voller Zuversicht.

In diesem Sinne ist die Kunst von Sonia Delaunay und die ihres Mannes eine geistige Kunst, ganz der Lebensrhythmik gewidmet und der Lebensfreude.

 

Mit meinem Text, liebe Leser, habe ich Ihnen sicherlich eine ergänzende Betrachtung zum Osterei geliefert.

Sie werden es nun, rot, gelb, blau und grün gefärbt, vielleicht auch silbern, ganz anders am Ostertage genießen.

Die kleine Zeitreise, von der Ukraine über Russland nach Deutschland, Frankreich und Griechenland, trägt uns zurück zu den Charts und der eigentlichen Osterfrage aus Sicht eines Börsianers.

Wird Dax, samt seiner Gesellen, eine Auferstehung feiern, oder wird er, nach Art alter griechischer Plage, in die Unterwelt abtauchen, wo er auf Orpheus mit seiner Lyra warten müsste, dem es vielleicht gestattet würde, Dax bei einem Aufstieg zu helfen?

Wie es auch endet, Ihnen persönlich wünsche ich, dass sich beim Essen Ihres Ostereies, all die Zuversicht verbreitet, die sich aus der frohen Botschaft und der neuen Weltsicht herleitet: Es gibt Erlösung!

So verbleibe ich, bis zu meinem Chartbericht,  mit  meinen guten Wünschen

Gesundheit und Wohlbefinden

Frohe Ostern!

 

Quellennachweis: Russische Ostern ,  Ei/Quadrat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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